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DIE MAYA-ASTRONOMEN

Der Versuch einer Beschreibung:

Zwischen Ehrfurcht und Unrecht -

... und ungelöste Fragen

 

Einleitung

Wer waren eigentlich die Menschen in Mesoamerika, welche die Grundlagen dafür geschaffen haben, dass die Maya-Kultur die höchste Stufe in der neuen Welt erreichen konnte?
Wir wissen es nicht und vermutlich werden wir es nie erfahren. Man kennt keine Namen von Astronomen, Mathematikern, Baumeistern oder aus anderen Bereichen, die vergleichbar mit den Leistungen der großen griechischen Denker sind.
Die Erfindung der Schrift, der hohe Kenntnisstand in Mathematik - die Null war bei den Maya ca. 1000 - 1500 Jahre früher bekannt als in Europa - die Erstellung und der Gebrauch von genauen Kalender-Systemen, die Architektur mit den gewaltigen Pyramiden, die künstlerischen Leistungen und besonders ihre Kenntnisse in der Astronomie waren Ausdruck von hoher Intelligenz und großer Kreativität dieses Volkes, die auch als die „Griechen der neuen Welt“ bezeichnet werden.
Jedoch aus ihrer Hinterlassenschaft können Rückschlüsse gezogen werden um wenigstens einen Teil von Fragen beantworten zu können. Dabei soll der Schwerpunkt dieser Ausführungen auf die astronomischen Aspekte der Maya-Kultur gelegt werden.

 

Fakten

Wird die Maya-Literatur, die sich mit astronomischen Aufzeichnungen und Problemen beschäftigt, eingehender betrachtet, so fällt auf, dass sich die Aussagen häufig in zwei Kategorien einteilen lassen:

Zur ersten Gruppe sind die Vielzahl von Veröffentlichungen zu zählen, die sich mit den wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen der Astronomie bemühen, die Maya-Aufzeichnungen korrekt zu analysieren und zu interpretieren. Wenn auch die Ergebnisse in vielen Fragen noch recht unterschiedlich ausfallen, so liegt das einerseits an der schwierigen Thematik und andererseits an verschiedenen Ausgangspositionen, wie z. B. am Korrelationsproblem.

Zur zweiten Gruppe gehören die Autoren, welche die Fähigkeiten und Leistungen der Maya-Astronomen in überhöhtes und übertriebenes Niveau setzen wollen. Aus der Fülle von derartigen Argumenten sollen zwei Beispiele aufgezeigt werden, die seit Jahrzehnten immer wieder angeführt und abgeschrieben werden:

  • Der Maya-Kalender sei genauer als der Gregorianische Kalender, da der Maya- Kalender das Jahr mit 365,2420 Tagen angibt und unser Gregorianischer Kalender eine Länge von 365,2425 Tagen hat. Das tropische Jahr hat eine Länge von 365,2422 Tagen, das heißt, die Differenz zum Maya-Kalender ist kleiner als die Differenz zum Gregorianischen  Kalender.
  • Auch zum Umlauf der Venus werden den Maya-Astronomen Kenntnisse unterstellt, die gleichfalls einem verklärenden Wunschdenken entspringen. Da wird behauptet, dass der synodische Venusumlauf den Maya bis auf 1 Stunde pro Jahr bekannt war. Ein anderes Beispiel spricht von einer Genauigkeit des Venusumlaufes von 1 Tag in 6000 Jahren.

Bei derartigen Feststellungen wird immer darauf verzichtet, wer diese Behauptungen aufgestellt hat und wo sie in der Literatur zu finden sind.

Ehrfurcht und Unrecht

Die Maya-Astronomen sind keineswegs auf derartige Übertreibungen und Überhöhungen angewiesen, denn ihre Hinterlassenschaft ist großartig genug. Sie verdienen Anerkennung und Bewunderung in größtem Maße, wenn nur die bereits entzifferten und entschlüsselten Aufzeichnungen zugrunde gelegt werden.
Wieso also Unrecht? Da sind einerseits die Übertreibungen und andererseits Behauptungen, die seit mehr als 7 Jahrzehnten vertreten werden. Mit einem typischen Beispiel soll diese Art von Unrecht näher betrachtet und zur Diskussion gestellt werden.

Es betrifft das Datum  9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab von Seite 24 des Dresdner-Codex. Dieses Datum ist als Basisdatum der Venustafel bekannt und dient auch als eine der "Säulen" für die Richtigkeit der GMT-Korrelationskonstante.

Mit 9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab beginnt die Berechnung für die Zyklen der Venustafel, die von den Maya mit

    236 Tagen für die Morgensichtbarkeit,

    90        "       "      "   Unsichtbarkeit bei der oberen Konjunktion,

    250      "       "      "   Abendsichtbarkeit und

    8          "       "      "   Unsichtbarkeit bei der unteren Konjunktion,

    ________________________________________________________

    584 Tagen insgesamt für den synodischen Umlauf festgelegt wurden.

Dies bedeutet, mit 9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab ist der Tag des ersten Erscheinens der Venus am Morgenhimmel verbunden, astronomisch ist es der heliakische Aufgang der Venus. Mit der heute als richtig erachteten GMT-Korrelationskonstante 584283 (oder 584285, wie sie von Lounsbury vertreten wird,) ergibt sich das Datum im Julianischen Kalender: 04. 02. 623. An diesem Tag befand sich jedoch die Venus noch am Abendhimmel in ca. 24° Entfernung von der Sonne. Der heliakische Aufgang der Venus erfolgte aber erst am 21. 02. 623, so wie es Thompson, Lounsbury u.a. festgestellt haben.

Diese Tatsachen sind zwar bekannt, aber was stimmt nun nicht? Den Maya-Astronomen einen so gravierenden Fehler von 17 Tagen zu unterstellen, ist ein Unrecht.

Lounsbury hat in seiner Arbeit (1982) deshalb folgende Lösung vorgeschlagen: Zu 9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab sind 6 Kalender-Runden zu zählen, dann wird das Long Count-Datum 10.5.6.4.0  1 Ahau  18 Kayab erreicht, im Julianischen Kalender ist es der 20. 11. 934. Dies ist zwar ein heliakischer Aufgang der Venus - oder 1 Tag später - aber hier stellt sich doch die Frage: warum haben dann die Maya ausdrücklich den Long Count 9.9.9.16.0  (1 Ahau 18 Kayab) aufgezeichnet?

Was stimmt nun nicht?

  • Das Maya-Datum ist "sauber", denn die Ring-Nummer 6.2.0 von Seite 24 bestätigt dies ebenfalls:  9.9.16.0.0  4 Ahau 8 Cumku,  -6.2.0  = 9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab.
  • Entweder ist die Korrelationskonstante 584283 falsch,
  • oder 9.9.9.16.0  1 Ahau 18 Kayab ist kein heliakischer Aufgang der Venus,
  • oder beide Angaben sind unrichtig.

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Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Regel anerkannt.

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Last updated December 29, 2005